Dachbegrünung als Dachbiotop
Für die Fachstelle Dachbegrünung der Hochschule Wädenswil (HSW) sind Dachbegrünungen weit mehr als ein ökologischer Schutzbelag. Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes sind die weitgehend ungestörten Trockenhabitate äußerst attraktive Standorte. Denn bei entsprechender Ausführung entstehen neue Lebensräume für seltene Spinnen- und Käferarten. Vögel finden auf Gründächern Nahrung und Nistmaterial. Im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojekts wurde sogar untersucht, wie Dachbegrünungen gefährdeten bodenbrütenden Vogelarten eine neue Heimat bieten können. Auch wenn sich nicht alle Hoffnungen erfüllt haben sind die Ergebnisse des Projekts doch vielversprechend und bieten neue Chancen für eine spürbare ökologische Aufwertung von Gründächern. Dachbiotope können einen wichtigen Beitrag zum aktiven Naturschutz leisten.
Die Streule + Alder AG in Rorschach auf der Schweizer Seite des Bodensees beschäftigt sich seit vielen Jahren erfolgreich mit der Ausführung von Dachabdichtungen und Dachbegrünungen. Als der Neubau einer Lagerhalle für den eigenen Betrieb anstand war für Hr. Streule klar, dass hier kein Gründach von der Stange entstehen soll. Über die Zusammenarbeit mit Bauder entstand die Idee die Dachfläche in ein Dachbiotop zu verwandeln. Die Verbindung aus Naturschutz und Dach stieß auf offene Ohren. Denn für Streule ist ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen keine Frage der Mode sondern schlichte Notwendigkeit und Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden auch optisch überzeugend umgesetzt. Modellierte Substratschüttungen, Grobkies, scheinbar willkürlich aufgeschichtetes Totholz und Wasserbecken sind die zentralen Gestaltungselemente. Entstanden ist ein Biotop mit großem Potenzial. Die ständig variierenden Schichtdicken des Substrates schaffen gute Voraussetzungen für eine artenreiche Vegetation mit viel Biomasse. Die Inseln aus Totholz, die organisch angelegten Grobkiesflächen und das Wasserangebot unterstreichen den Charakter einer Flusslandschaft mit reich strukturierten Lebensräumen. Wie gut das Ersatzhabitat angenommen wird muss sich erst noch zeigen. Aber die Chancen stehen nicht schlecht. Die weitgehende Trockenlegung ehemaliger Ried- und Feuchtgebiete macht solch alternative Standorte über den Dächern umso interessanter.